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Sonntag, 12. August, Verantwortung verlangt Mut


Salzburger Hochschulwochen 2012 stellten sich brennenden Fragen in Kirche und Gesellschaft


Mit einem Festakt in der Großen Aula der Universität Salzburg gingen am Sonntag, 12. August die Salzburger Hochschulwochen 2012 zu Ende. Beinahe 1000 TeilnehmerInnen beschäftigten sich eine Woche lang intensiv mit dem Thema „verantworten“ aus theologischer, soziologischer, rechtswissenschaft-licher oder auch psychologischer Perspektive. Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte die Hochschulwo-chen als „Ort der kritischen Selbstvergewisserung in einer modernen Lebens-welt“ mit konsequent hohem Niveau. Festredner Prof. Dr. Hubert Wolf (Univer-sität Münster) rief die Kirche dazu auf, sich der „Wahrheit, die aus der Ge-schichte kommt“ (Johannes Paul II.) zu stellen, und vergessene Optionen und alternative Modelle aus der Geschichte neu für den kirchlichen Reformprozess zu entdecken.


„Verantworten“ verlangt aktives Eintreten für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung von Kirche und Gesellschaft. Wer verändern will, muss auch unbequeme Fragen stellen und sich der Erfahrung stellen, dass die Antworten oft nicht so eindeutig sind oder deren Umsetzung komplexer ist, als angenommen. Dies haben die Vorlesungen und Diskussionen der Salzburger Hochschulwochen 2012 vor Augen geführt. „Die Salzburger Hochschulwochen 2012 haben sich an die brennenden Probleme unserer Zeit gemacht und sind vor Verantwortungsräumen nicht zurückgeschreckt, in denen sich die katholische Kirche derzeit bewegt. Dies verlangt ab, unbequeme Fragen zu stellen, offene Debatten zu forcieren, Loyalität auch im Modus der Kritik zu bestimmen. Verantworten verlangt der Kirche Auseinandersetzung ab, nicht zuletzt intellektuelle“, betonte Obmann Prof. Dr. Gregor Maria Hoff beim abschließenden Festakt.


Kirchenhistoriker Wolf: „Den gesamten Tisch der Tradition decken“


Im Festvortrag griff Prof. Dr. Hubert Wolf, Kirchenhistoriker an der Universität Müns-ter, noch einmal zentrale Themen der Woche und brennende Probleme der katholi-schen Kirche auf. Er zeigte, welche Verantwortung die Kirchengeschichte für den Reformprozess der Kirche zu übernehmen hat. Diese muss die geschichtliche Wirklichkeit mit historisch-kritischen Methoden möglichst exakt rekonstruieren und den „gesamten Tisch der Tradition für Theologie und Lehramt“ decken. Wolf betonte, dass die Kirche stets im Wandel war und ist. Die kirchlichen Positionen zu den Menschenrechten, insbesondere Religions- und Gewissensfreiheit, sowie zum Judentum hätten sich am II. Vatikanum sogar ins Gegenteil verkehrt. „Wenn die Kirche in so zentralen Fragen ihre Position radikal ändern konnte, dann kann sie es – zumindest theoretisch – auch in anderen Bereichen“, argumentierte Wolf.


Alternativmodelle zu Leitung, Amt und Frauenordination


Historische Alternativmodelle zur gegenwärtigen kirchlichen Position brachte Wolf für die Kirchenleitung, die Amtsfrage sowie die Weihe von Frauen. Die Erklärungen Haec sancta (Konzil von Konstanz, 1415) geht klar von einer Vorrangstellung des Konzils aus, während Pastor Aeternus (1. Vatikanisches Konzil, 1870) die Superiori-tät des Papstes über das Konzil definiert. In puncto Amtsfrage und sakramentaler Vollmacht verwies Wolf auf die iroschottische Kirche, in der Mönche und Nonnen, nicht etwa geweihte Priester, von den Sünden lossprachen. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeige außerdem, dass es sehr wohl geweihte Frauen gegeben habe – keine Priesterinnen, aber Äbtissinnen. Gregor der Große sprach ausdrücklich von ordinatio, viele mittelalterliche Sakramentare zur Äbtissinnenweihe sind eng an das Formular der Bischofsweihe angelegt. „Äbtissinnen erfreuten sich bis ins 19. Jahrhundert hin ‚quasi bischöflicher Vorrechte’ und übten episkopale Jurisdiktionsgewalt über den ihnen unterstellten Klerus aus“, erklärte Wolf. Wenn die Kirche die Wahrheit, die aus der Geschichte kommt, nicht fürchtet – wie Johannes Paul II. erklärte, dann muss sie sie auch in ihrer Gesamtheit wahrnehmen und rezipieren.


Erzbischof Dr. Robert Zollitsch sichert weitere Unterstützung der DBK zu


Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz (DBK), Erzbischof Dr. Robert Zolltisch, bestärkte die Salzburger Hochschulwochen und sicherte ihnen die weitere Unterstützung der DBK zu: „Das Konzil ermuntert uns, die ‚Zeichen der Zeit’ wahrzunehmen und im Licht des Evangeliums richtig zu deuten. Die Salzburger Hochschulwochen sind nicht nur Ort der Bestärkung, sondern auch Ort der kritischen Selbstvergewisserung in einer modernen Lebenswelt.“ Besonders dankte Erzbischof Zollitsch dem Obmann Prof. Dr. Gregor Maria Hoff sowie dem Präsidiumsvorsitzenden Erzbischof Dr. Alois Kothgasser.


Salzburger Hochschulwochen 2013: „Gefährliches Wissen“


Erzbischof Dr. Alois Kothgasser beschloss die Hochschulwochen 2012 mit einem Dank an alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, „die mit Leidenschaft und ohne Fanatismus versuchen der Wahrheit näher zu kommen. Die Geschichte ist eine Lehrmeisterin, wir sind ihre Schüler. In der Geschichte liegt der Kern der Hoffnung.“ Zugleich kündigte er die Hochschulwochen 2013 an, die sich von 29. Juli bis 3. August dem „gefährlichen Wissen“ widmen. In einer globalen Informationsgesellschaft wird Wissen in unterschiedlichsten Formen zu einem brisanten Faktor. Wie entsteht dieses Wissen? Wie lässt es sich nutzen und wo wird es gefährlich? Hier suchen die Salzburger Hochschulwochen Klärungen. Besondere Vorfreude herrscht bereits auf den theologischen Preisträger 2013, Kardinal Karl Lehmann.


Literaturhinweis


Die gesammelten Vorträge und Reden der Salzburger Hochschulwochen 2012 wer-den im Herbst in einem Sammelband erscheinen.


Weitere Presseinformationen, das Programm und Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplar oder Hinweis erbeten.