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Montag, 1. August, Leben auf Kosten der anderen

 
Unsichere Aussichten für zukünftige Generationen 
 

„Der soziale Ausgleich scheint heute kein politisches Ziel mehr zu sein“, stellt Prof. Dr. Alois Baumgartner bei den Salzburger Hochschulwochen fest, „direkte Steuern, die die Umverteilung unterstützen würden, werden zu Gunsten von indirekten Steuern zurückgeschraubt.“ Durch immense Konsumausgaben und daraus resultierender Verschuldung führen wir heute ein Leben auf Kosten zukünftiger Generationen. In einer dreiteiligen Vorlesungsreihe zeigt Baumgartner die Dimensionen und Konsequenzen von Verschuldung sowie mögliche Auswege daraus auf. Der Unsicherheit aus künstlerischer und medizinischer Perspektive nähern sich P. Dr. Gustav Schörghofer und Univ. Prof. Dr. Felix Unger.


Verschuldung verweist auf ein Übermaß an Schuld, Verstrickung, auf Ausweglosigkeit – sowohl im finanziellen, wie auch im persönlich-moralischen Bereich. Angesichts der internationalen Schuldenkrise befasst sich der Sozialethiker Baumgartner insbesondere mit den politischen, sozial- und wirtschaftsethischen Aspekten von Verschuldung sowie möglichen theologischen Antworten. Baumgartner warnt: „Verschuldung ist kein rein wirtschaftsethisches Problem, sondern hat mit Hunger, psychischen Problemen, mangelnden Bildungsmöglichkeiten usw. zu tun.“ Deutlich wird dies am Beispiel Moldawien, das bis heute massiv unter der Abwertung des russischen Rubel 1998 leidet. 75 Prozent des Staatshaushaltes sind an den Schuldendienst gebunden. Für Sozialausgaben, Bildung, Gesundheit bleibt kaum noch Budget übrig. Sanierungsverfahren führen zu massiven Eingriffen in die Souveränität der betroffenen Staaten. Die demokratiepolitischen Konsequenzen sind immens.


Biblischer Schuldenerlass als Weg aus der Verschuldung?


Historisch betrachtet hat die Kirche bereits in den 1960ern vor den Konsequenzen staatlicher Verschuldung gewarnt, so auch Paul VI in der Enzyklika Populorum Progressio (1967). Anlässlich der Jahrtausendwende wurde in Anlehnung an das biblische Jobeljahr, gemäß dem alle 50 Jahre sämtliche Schuld zu erlassen ist, intensiv für ein „Erlassjahr 2000“ geworben. Doch ob das alttestamentliche Vorbild für heutige Wirtschaftssysteme tauglich ist, ist umstritten. Finanzielle Entlastung ohne Systemänderung führt nur zu kurzfristiger Entschuldung. Prof. Baumgartner mahnt: „Ohne schmerzhafte Einschnitte in unseren Lebenswandel wird es keinen Weg aus der Verschuldung geben!“


Unsicherheit als konstitutives Element der Kunst und bleibende Herausforderung in der Medizin


Dem Thema der Hochschulwochen von künstlerischer und medizinischer Seite nähern sich zwei weitere Referenten. „Sowohl als Schmuck als auch als Schock muss das Kunstwerk verunsichern. Wenn es diese Wirkung nicht mehr erzielt, dann verliert es seine Kraft“, warnt P. Dr. Gustav Schörghofer SJ bei den Hochschulwochen. Univ. Prof. Dr. Felix Unger, Herzchirurg in Salzburg, betont, dass „der Mensch von Geburt an den Stachel des Todes in sich trägt.“ In-Vitro-Fertilisation, pränatale Diagnostik und immer neue Methoden der Lebensverlängerung versuchen das Leben in den Griff zu bekommen, doch der Preis dafür ist oft nicht kalkulierbar. Das Risiko, die Unsicherheit sind prägend und nicht einholbar – in Kunst, wie in Medizin.