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Mittwoch, 30. Juli, Dynamiken der Integration

 

Theologischer Preis ergeht an Brüderpaar Christoph Theobald SJ und Michael Theobald

 

Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde der Theologische Preis 2014 – eine weltweit einzigartige Auszeichnung, wie Obmann Univ.-Prof. Dr. Gregor M. Hoff in seiner Begrüßung unterstrich - an die Brüder Prof. Dr. Christoph Theobald SJ und Prof. Dr. Michael Theobald verliehen. Die Jury entschied heuer, die Auszeichnung in einer besonderen Konstellation zu vergeben und ehrt damit nicht nur das Lebenswerk des Fundamentaltheologen einerseits und des Neutestamentler andererseits, sondern markiert darüber hinaus die notwendigen Wechselwirkungen ihrer theologischen Fächer, um sie „vielleicht auch zunehmend stärker für die Kirche zur Geltung zu bringen“ (G.M. Hoff). Nach den Worten des Laudators Prof. Dr. Dr.h.c. Josef Wohlmuth setzten die beiden Preisträger mit ihren Dankesreden persönliche theologische Akzente.

 

(SHW3a/teleo) Zum neunten und zehnten Mal wurde der mit 5.000.- dotierte Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen heuer verliehen, um erstmals das Lebenswerk gleich zweier herausragender Wissenschaftler zu ehren. Mit ihren Forschungen haben Christoph und Michael Theobald „nicht zuletzt den entscheidenden theologischen Anliegen des II. Vatikanischen Konzils Geltung verschafft“, würdigte der Obmann die Preisträger und fügte an: „Solche theologische Arbeit bleibt zwingend aktuell.“ Nach ihm wurde das Wort an den Laudator Prof. Dr. Dr.h.c. Josef Wohlmuth übergeben, der die beiden Theologen – den Wahl-Pariser und Jesuiten Christoph Theobald, den Tübinger und Familien-Vater Michael – „in ihren verschiedenen und doch polaren Brennpunkten facettenreich gezeichnet hat“, wie Michael Theobald im Dank an den Laudator es formulierte. Im „Versuch“ ihr Werk zu laudieren, was für ihn bei gleich zwei Preisträgern durchaus eine Herausforderung darstelle, so Wohlmut, verwickelte der Dankesredner die Brüder miteinander in einen Dialog und stellte vielfache Verbindungslinien zwischen ihrem Werk her.

 

„Theologische Kompetenz und geistliche Authentizität von prophetischer Kraft“

Seine Laudatio eröffnete Prof. Dr. Dr.h.c. Wohlmuth, ehemaliger Leiter des Cusanuswerkes, mit einem Verweis auf die grundsätzliche Ausrichtung der 1946 und 1948 geborenen Brüder: In der lateinisch-tridentinischen Ära der Kirche aufgewachsen haben sie sich in Schulzeit und Studium sehr entschieden dem II. Vatikanum zugewandt und die nachkonziliare Phase konsequent mitgestaltet. Als ihre große Gemeinsamkeit hob Wohlmut deren Bestreben hervor, die christliche Botschaft, ihre rationale und relationale Durchdringung in Theologie und Lebenswelt(en) von heute zu implementieren. In Christoph Theobald, für den – geprägt durch spannende Übergangsphasen der französischen Philosophie – die crise moderniste und der Zweifel am Dogmengebäude der Kirche ein bleibendes Thema sei, würdigte der Laudator einen Theologen mit großem Einfühlungsvermögen und großer Gelehrsamkeit; sein bahnbrechendes Hauptwerk "Le christianisme comme style", eine ästhetisch inspirierte phänomenologisch begründete theologische Stilistik bezeichnete er als theologische Summe. Auf der Haltung der (jesuanischen) Gastfreundschaft aufbauend spiegle sich in seinem Werk die Zuversicht, dass die Menschen in Europa auf kommunikativen Lebensstil ansprechbar sind - es gebe keine Verkündigung des Evangeliums ohne Einbeziehung des Adressaten. Das Werk des Bruders Michael Theobald zeichnet sowohl eine historisch-kritische Exaktheit als auch die Fähigkeit geistlicher Aneignung aus - „Die Vielstimmigkeit der Gotteserfahrung darf nicht in widerspruchfreies Konzept überführt werden“ (Theobald). Sein exegetischer Beitrag als theologische Basiswissenschaft sei für das jüdisch-christliche Gespräch nicht wegzudenken, so Wohlmut. Es wäre ein Zeichen der Erneuerung der Kirche, wenn als Ergebnis seiner Arbeiten Liturgie und Barmherzigkeit noch mehr auf einander bezogen werden und die Gemeinden der Zukunft sich davon prägen lassen würden.

 

„Bedingungslose Gastfreundschaft“

In seiner Dankesrede rekurrierte Christoph Theobald auf das Thema der Hochschulwoche 2014. Der entscheidende Aspekt des europäischen Projektes: „wir brauchen ein neues Verhältnis zu unseren Grenzen.“ Als Grenzgänger zwischen der deutschen und französischen Kultur und Kirche sei der Topos der Gastfreundschaft für ihn auch im konkreten Leben stets zentral gewesen; Theobald griff das Paradox grenzüberschreitender Gastfreundschaft auf, um schließlich den jesuanisch-christologischen Hintergrund von Gastfreundschaft für ein Europa von heute fruchtbar zu machen. Aufbauend auf die für ihn mit (bedingungsloser) Gastfreundschaft verbundenen, zentralen Aspekte Überraschungseffekt, implizite Umkehrung der Beziehung Gast und Gastgeber sowie Integration und Heilung von Gewalt stellte er die Utopie eines sich aus grenzüberschreitender Gastfreundschaft heraus denkenden Europas auf; diese Utopie helfe, auf den Begriff des christlichen Abendlandes zu verzichten und das Christliche im entchristlichten Europa zu denken.

 

„Wagnis der Transformation“

Durchzieht die Frage der Übersetzung, der hermeneutischen Auslegung das Werk Michael Theobalds begann dieser seine Ausführungen mit einleitenden Gedanken zur Grenzen überwindenden Sprache der Musik. Seine weiterführenden Gedanken aus bibeltheologischer Perspektive stellten das Übersetzen von der einen zur anderen Sprachinsel, und im besonderen die Frage nach der Übersetzung des Jesus-Wortes ins Zentrum. Die Pfingstperiskope hebe ein Grundsätzliches hervor: das In-allen-Sprachen-verstanden-werden, das Ankommen bezeichne nicht ein sekundäres Momente, vielmehr bezeichne es das Wesen des Wortes Gottes: Wort für jeden Ort, für jede Zeit zu sein. Es brauche Mut zur Übersetzung, so Theobald. Am Beispiel des Privilegium Paulinum verdeutlichte er die Notwendigkeit der kontextuellen Auslegung eines Jesus-Wortes, das kein starres Gesetz darstellt, sondern in der pastoralen Praxis in den Bezug zum Menschen gestellt sein will und setzte damit einen starken kritischen Impuls in seiner Rede: „Jesus kannte kein ontologisches Eheverständnis.“ Jesus war kein Gesetzeslehrer, sondern eschatologischer Prophet. Theobald zeigte auf, dass Paulus sich zwar auf das Jesus-Wort (Mt 19,6) stützte; es lasse sich aber von Paulus lernen – denn dieser hatte in der Entwicklung einer je individuellen Scheidungspraxis den Mut, auf die Nöte der Zeit einzugehen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen.

 

Auszeichnung für theologisches Gesamtwerk

Der mit 5.000.- Euro dotierte Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen wird seit dem Jahr 2006 jährlich in Anerkennung des theologischen Gesamtwerks eines Wissenschaftlers vergeben. Bisherige Preisträger waren z.B. Walter Kasper (2006), Erich Zenger (2008), Christoph Markschies (2010), José Casanova (2012) und Karl Kardinal Lehmann (2013).

 

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

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