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Samstag, 3. August, Nicht-Wissen als Basis von Kontroversen um Islam

 

Koran als Text, der auch in unseren Wissenskanon integriert werden sollte

 

Die vor Kurzem mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnete Arabistin Prof. Dr. Angelika Neuwirth stellte heute Nachmittag der im deutschen Sprachraum nach wie vor als Politikum anmutenden Rede über den Koran dessen Bedeutsamkeit als spätantikes Vermächtnis (auch) an Europa entgegen: „Zuschreibungen eines grundsätzlich anderen Paradigmas im Denken sind nicht haltbar; der Koran ist kein Gesetzbuch.“ Prof. Dr. Stephan Borrmann behandelte vormittags mit der globalen Verteilung von Wasser sowie dem unterschätzten Thema der Luftqualität in seiner zweiten Vorlesung größerskalige und längerfristige Phänomene. Ein Fazit: „Im Zusammenhang mit der Diskussion um anthropogene Einflüsse auf das Klima traten dadurch in den letzten Jahren echte Gefährdungen für betroffene Wissenschaftler auf.“

 

(SHW6/teleo) Prof. Dr. Angelika Neuwirth ist Inhaberin des Lehrstuhls für Arabistik an der Freien Universität Berlin. Dass es derer nur zwei in ganz Deutschland gibt, verdeutlicht nur, mit welch einer Expertin es man zu tun hat. Neuwirth, die von einer vollkommen neuen Prämisse ausgeht, setzt im westlichen Diskurs um den Koran als Buch der Wert- und Ordnungsvorstellungen einen Kontrapunkt: Sie stellt den Koran in den Kontext kultureller Milieus zurück und nimmt seine innovative Leistung in den Blick, die im Durchsetzen eines neuen Weltverständnisses und Antworten auf vorgefertigte jüdische und christliche Traditionen bestehe.

 

Abraham als zentrale und prägende Figur

In ihrer zweiten Vorlesung erklärte Neuwirth anhand des „Abrahmsopfers“ die besondere Prägung des Islams als „emotionsarme Religion“ – im Gegensatz zum Christentum, das basierend auf der Leidensgeschichte den Begriff der Com-passio ins Zentrum stelle. Gehorsam, Geduld, Ausdauer seien „Tore zur Erlösung“ im Islam. Der standfeste in unbedingten Gottvertrauen handelnde Mensch im Islam sage sich damit von anderen Traditionen los, so Neuwirth. Der Drastik in der Geschichte von der Aufopferung des eigenen Sohnes – und damit der Präfiguration christlicher Passion – werde im Koran nicht nur eine entschärfte Version entgegengestellt, die keine überhöhende Deutung des Leids kennt, ja, die vielmehr Priorität von Geduld und Ausdauer gegenüber dem Sohn beschreibt. Auch erhält eine dem Opfer vorausgehende Erzählung besondere Relevanz: Abraham, der sich gegen die Götzen wehrt, seine Familie verlässt und damit die spirituellen Bande vor die Genealogie stellt. Im Koran komme es zu einer spezifischen Positionierung Abrahams in Form eines „Sinnzuwachses seiner Gestalt als hinter den anderen Religionen stehender Fromme“. In der anschließenden Diskussion stand Neuwirth unterschiedlichen Fragen an den Islam, die wesentlich mit einem gängigen westlichen Nicht-Wissen einhergingen, Rede und Antwort.

 

„Airpocalypse“ und Wasserknappheit: Problemdruck an Grenze zu Unkontrollierbarkeit

Präsentierte Prof. Dr. Stephan Borrmann gestern eindrückliche Bilder zu lokalen Wetterereignissen und verdeutlichte Gefährliches (Nicht-)Wissen unter Bedingungen meteorologischer Daten, Prognosen und Szenarien, konzentrierte er sich heute auf zwei globale Phänomene mit enormen Auswirkungen auf künftige Generationen. Unter Darstellung von Problemfeldern wie Wasserverbrauch in der Produktion von Waren, Transfer von Wasser oder Sinken des Grundwassers widmete er sich der globalen Verteilung von Wasser. Borrmann: „Die Rolle des Wassers für künftige Konflikte ist nicht zu unterschätzen.“ Luftqualität und urbane Verschmutzung als weitere Phänomene seien mittlerweile nicht nur als regional, sondern interkontinental zu bestimmen und spielen eine Rolle für das Klimasystem auf längere Sicht. Auch wenn Borrmann für Deutschland „Good News“ zu berichten hatte: In Megacitys (anderer Länder) kümmere man sich kaum um effektive Luftreinhaltung. Dass negative Gesundheitseffekte enorm sind, zeigen Zahlen zu Todesfällen, die mit Smog einhergehen.

 

„Klimawissenschaft als Kampfsport“

Klar sei jenseits statistischer Unsicherheit: „Der Klimawandel findet zweifelsfrei statt.“ Anthropogene Einflüsse sind Faktum. Die großen Klimamodelle wären eine gute Entscheidungsgrundlage für die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, so Borrmann. Jedoch bestehe eine Diskrepanz zwischen Expertenmeinung und Politiksystemaktivität. Die großen Zusammenhänge zwischen den von Industrie und konservativen Kreisen finanzierten und gegründeten Think Tanks in den USA und der Be-/Verhinderung von Erkenntnisgewinnung, ja, der Gefährdung von WissenschaftlerInnen muten wie ein Krimi an. Der politische Krieg um den Klimawandel sei längst ausgebrochen. Borrmanns Resümee: „Ignorieren und Negieren der Erkenntnisse wird zur Verschärfung einer ganzen Reihe von Gefahren für Mensch und Erde führen.“

 

 

Terminhinweise:

Akademischer Festakt, Festvortrag: Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, morgen, 04. August, 10.30, Große Aula

 

Weitere Presseinformationen, das Programm sowie Bilder zur honorarfreien Veröffentlichung finden Sie unter: www.salzburger-hochschulwochen.at. Belegexemplare oder Hinweis erbeten.

 

 

Ansprechpartnerin:

Dr. Teresa Leonhardmair

Pressereferentin

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