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Mittwoch, 8. August, Verantwortung in Tod und Leben


Krisen und Konflikte fordern Theologie und Politik 


Demografische Entwicklungen erfordern einen neuen Umgang mit Sterbenden. „Der Tod wird immer älter. Alterseinrichtungen müssen eine Abschiedskultur nach dem Vorbild der Hospize entwickeln“, fordert Prof. Dr. Karin Wilkening (Hochschule Ostfalia) in Salzburg. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen als Auftrag zur Verantwortung für die Schöpfung hebt Dr. Rainer Hagencord, Pionier im Bereich zoologischer Theologie an der Universität Münster, hervor: „Es gilt die Konsequenzen aus der unleugbaren Verwandtschaft von Mensch und Tier zu ziehen. Wir sind nicht Herrinnen und Herren über die Schöpfung, sondern Mitgeschöpfe.“ Der Menschenrechtsexperte Prof. Dr. Heiner Bielefeldt (Univ. Erlangen-Nürnberg) und der Soziologe Prof. Dr. Armin Nassehi (LMU München) gehen der Verantwortlichkeit des Menschen in immer komplexeren Gesellschaften auf den Grund.


Menschen sterben in immer höherem Alter. Während Hospize zumeist auf die Betreuung jüngerer Patientinnen und Patienten ausgerichtet sind und zur Enttabuisierung des Todes entschieden beigetragen haben, gibt es im Bereich der institutionellen Betreuung sterbender älterer Menschen noch großen Aufholbedarf. Insbesondere Demenz und das Zusammentreffen vielfältiger Krankheitsbilder stellen die Alterseinrichtungen vor Herausforderungen. Prof. Karin Wilkening, Psychologin mit Schwerpunkt soziale Gerontologie an der Hochschule für angewandte Sozialwissenschaft Ostfalia, ruft zur Entwicklung einer Abschiedskultur in Alterseinrichtungen und einer größeren Wertschätzung gegenüber älteren, sterbenden Menschen.


Vom „interplanetarischen Eroberer“ zum verantwortungsbewussten Mitgeschöpf


Mensch und Tier sind für Dr. Rainer Hagencord radikal aufeinander bezogene Geschöpfe und Partner im Bund Gottes. Doch die bei Descartes grundgelegte Anthropozentrik und das mechanistische Naturverständnis der Neuzeit hätten dies verdunkelt. „Der Mensch wütet als ‚interplanetarischer Eroberer’ (K.M. Meyer-Abich), der in diesem Planeten und seinen Bewohnern lediglich Ressourcen sieht, die es auszubeuten gilt“, deutet Hagencord. Dem setzt der Theologe eine theologische Würdigung des Tieres entgegen, basierend auf einer biblisch fundierten Verantwortungsethik. „Die Sorge um umfassende Gerechtigkeit muss auch das Wohl der Tiere beinhalten. Die Kirche muss ihr Engagement in diesem Bereich noch verstärken!“, fordert Hagencord. Das Institut für theologische Zoologie an der Universität Münster ist ein erster Schritt in diese Richtung.


 Kein Platz für Menschenrechte in hochkomplexen Gesellschaften?


Nach der heutigen Darlegung ihrer Ausgangspositionen wird mit Hochspannung die morgige Diskussion zwischen Prof. Dr. Heiner Bielefeldt (Erlangen-Nürnberg), UN Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit, und dem Münchener Soziologen Prof. Dr. Armin Nassehi erwartet. Während Nassehi davon ausgeht, dass unsere Gesellschaft zu komplex ist, um Handlungsfolgen managen zu können, ist für Bielefeldt der Mensch handelndes Subjekt, das sehr wohl Herr seiner Taten und somit verantwortlich ist. „Die Menschenrechte, untrennbar verbunden mit Demokratie, halten den Raum für verantwortungsvolles gemeinsames Handeln offen“, so Bielefeldt, „die aggressive Entliberalisierung der Demokratie durch Populisten stellt hier eine große Gefahr dar.“ Mehr dazu morgen Donnerstag, 10.00 in der Großen Aula der Universität Salzburg.