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Mittwoch, 3. August, Theologischer Preis


Der Versuch einer Weisheit der Liebe
Theologischer Preis der Salzburger Hochschulwochen 2011 für Erzbischof Dr. Bruno Forte


In einem Festakt in der Großen Aula der Universität Salzburg wurde Dr. Bruno Forte, seit 2004 Erzbischof von Chieti-Vasto, am 3. August 2011 der Theologische Preis der Salzburger Hochschulwochen für sein Lebenswerk verliehen. Obmann Univ. Prof. Dr. Gregor Maria Hoff begründete die Preisvergabe mit den bedeutenden Akzenten, die Bruno Forte für das theologische und spirituelle Verständnis des Christentums auf der Höhe der Zeit setzt. In seiner Laudatio würdigte Prof. Dr. Elmar Salmann OSB die innige Verbindung von Rationalität und Mystik, die analytisch-poetische Kraft, die sich durch das Werk Fortes zieht, die die Unendlichkeit Gottes zu fassen versucht und sich doch stets der Unmöglichkeit dieses Unterfangens bewusst ist.


Erzbischof Dr. Bruno Forte wurde 1949 in Neapel geboren. An der dortigen Universität promovierte er bereits im Alter von 25 Jahren mit einer These zur „Kirche in der Eucharistie“ zum Doktor der Theologie, zwei Jahre später folgte die philosophische Dissertation zur Semantik der mystischen Theologie des Areopagiten. Das theologische Erstlingswerk „Jesus von Nazareth. Geschichte Gottes, Gott der Geschichte“ eröffnete eine lange Reihe theologischer Publikationen, die sich durch „eine Kunst der Dialektik wie des Narrativen“, so Laudator Salmann, auszeichnen. Aufenthalte in Paris brachten Forte in Kontakt mit der nouvelle théologie, Denkern wie Yves Congar oder Henri de Lubac. Die Tübinger Schule und der deutsche Idealismus führten weitere wichtige Aspekte in das systematische Denken des Preisträgers ein.


Die Schriften Bruno Fortes sind mystisch-poetisch durchkomponiert, wie das über 20bändige opus tripartitum von „Symbolik des Glaubens“, „Dialogik der Liebe“ und „Poetik der Hoffnung“ vor Augen führt, und zeugen dabei von theologisch-argumentativer Klarheit. Gott ist in Bruno Fortes Denken ein Gott der Geschichte, der sich dem Menschen offenbart und doch in unendlichem Schweigen verborgen bleibt. Erzbischof Forte hielt Fastenexerzitien für Papst und Kurie – eine besondere menschliche und theologische Auszeichnung – und ist seit 2011 Mitglied des päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung.


Eine vaterlose Gesellschaft in der Sinnkrise


Erzbischof Forte definiert in seiner Ansprache anlässlich der Preisvergabe sein Denken: „Meine Theologie ist keine Liebe der Weisheit, sondern der Versuch, eine Weisheit der Liebe zu finden.“ In Anlehnung an Augustinus führt er den Gott der Liebe als jene Sicherheit aus, die uns nie enttäuschen wird. Die Moderne mit ihrer Anmaßung der absoluten Vernunft anerkennt laut Forte keine hierarchischen Beziehungen mehr, da sie nur zu Abhängigkeiten führen würden. Die moderne Gesellschaft ist für ihn eine „vaterlose Gesellschaft“: „Die Kritik an der Gestalt des ‚Vater und Herrn’ mündet in die Forderung der radikalen Negation Gottes: Wie es auf Erden keinerlei Väterlichkeit geben darf, die nur Abhängigkeit schafft, so darf es auch keinen Vater im Himmel geben.“ In der modernen Sinnkrise erwacht jedoch erneut „die Sehnsucht nach einer Vater-Mutter-Gestalt, die alle in Liebe annimmt und genauso allen Sicherheit bietet“.


Geschichten der Liebe schreiben


Der moderne Mensch sucht in der Tiefe seines Herzens nach einer väterlich-mütterlichen Gestalt, die ihn in Liebe, ohne jegliche Vorbehalte annimmt. Diese Liebesbeziehung stellt keine Einschränkung der Freiheit dar, sondern ist im Gegenteil gerade erst ihre Garantie. Eine solche Liebesbeziehung sieht Forte im trinitarischen Gott verwirklicht: der Vater ist grenzenlose Liebe, der Sohn reine Aufnahme der Liebe, der Geist die Gemeinsamkeit von Liebendem und Geliebtem. Der Geist als Öffnung der Liebe Gottes zeigt, dass diese immer nach außen, auf ein Anderes hin orientiert ist. In Weiterführung der augustinischen Trinitätslehre formuliert Bruno Forte das Wesen Gottes als „Liebe in ewiger Bewegung des Ausgangs aus sich, als liebende Liebe; in der Bewegung der Selbstannahme als geliebte Liebe; in der Rückkehr zu sich und in der unbegrenzten Öffnung zum Anderen, in der Freiheit, als Geist der trinitarischen Liebe“.

In der Annahme der ewigen Liebe Gottes, die Unterschiede nicht aufhebt, sondern annimmt, wird der Mensch selbst fähig zu lieben und in Freiheit Geschichten der Liebe zu schaffen. „Lieben und lieben lassen – beides ist göttlich“, so Erzbischof Dr. Bruno Forte.


Ausgewählte Literaturhinweise:


Bruno Forte, Jesus von Nazaret: Geschichte Gottes, Gott der  Geschichte. Mainz 1984.

Ders., Das Wesen des Christentums. Fribourg – Stuttgart 2006.

Ders., Im Licht des Glaubens. Über das Glaubensbekenntnis, Köln 2006.